Wolfgang radelt um die Welt

Too Hot

Mrz072012

Thailand – was für ein Kontrast zu Neuseeland! Wetter, Landschaft, Verkehr, Sprache, Essen: alles ist total anders hier. Nach erst 5 Tagen Aufenthalt im Lande will ich mich nicht als Thai-Experten aufspielen, sondern nur meine bisherigen Erfahrungen zusammenfassen:
Die Straßen sind breit und voller Verkehr, lassen dem Radler aber immer einen passablen Randstreifen.
Essen und Übernachtung sind überaus preisgünstig, aber manchmal nur mit Mühe zu finden.
Die Leute sind überaus freundlich – aber des Englischen oft nicht mächtig.
Das im März konstant sommerliche Wetter wäre für eine Badeurlaub ideal, aber fürs Radfahren definitiv: too hot!

Dazu – pars pro toto – ein kleines Abenteuer von gestern. Die Erfahrungen der ersten Tage hatten es als ratsam erwiesen, möglichst früh zu starten, wenn die Temperaturen noch bei 30 Grad liegen. Im Siri-Hotel in Nakhon Ratchasima wurde das Frühstück zum Glück schon ab 6:30 h serviert. So konnte ich bereits vor 8:00 auf dem Sattel sitzen, um als erstes Tagesziel die historische Tempelanlage von Phimai anzusteuern.
Die ca. 60 km dorthin liefen recht gut; wenig Hügel und ein leichter Rückenwind brachten mich vor Mittag zum “Phimai Historical Park”, dessen zentraler Tempel aus dem 11. Jahrhundert durchaus sehenswert ist

Tempel in Phimai

Mit der großartigen Anlage von Angkor Bat, die ich im Vorjahr in Kambodscha bewundern durfte, kann Phimai es freilich nicht aufnehmen.
Gegen 13:30 h hatte ich genug Kultur (und ein kleines Mittagessen) konsumiert und stieg auf’s Rad, um das zweite – nicht gerade präzise definierte – Tagesziel in Angriff zu nehmen: Irgendein Hotel in irgendeinem Ort zwischen Phimai und Khon Kaen, möglichst nicht weiter als 80 Kilometer entfernt.
Der Straßenatlas zeigte, dass – wenn ich erst einmal wieder die autobahnartige Hauptstraße Nr. 2 erreicht hätte – sich hierfür im wesentlichen drei Ortschaften anbieten würden: Ban Sida nach weiteren 45, Phon nach 75 oder allenfalls noch Ban Phai nach ca. 105 Kilometern. Khon Kaen, die einzige Stadt, in der mit Sicherheit Hotels zu erwarten wäre, lag mit mehr als 150 Km Entfernung definitiv außer Reichweite.
Als ich Ban Sida passierte, ohne die Spur eines Hotels zu entdecken, fand ich das nicht sonderlich beängstigend. Ich hatte meine Hoffnungen ohnehin primär auf die zweite Ortschaft Phon gesetzt, die seit Stunden auf allen Straßenschildern bzw. Kilometersteinen erwähnt wurde: Es musste sich deshalb doch um eine größere Ansiedlung handeln.
Während “Wolfis Worldtraveller” in der monotonen Landschaft Kilometer um Kilometer abspulte, stieg die Nachmittagshitze mal wieder deutlich über 40 Grad, und ich musste fast stündlich die Radflaschen neu befüllen – zum Glück ist das Netz von Tankstellen in Thailand sehr dicht.
Je näher ich dem vermeintlichen Ziel Phon kam, desto größer wurde die Sorge um die abendliche Unterkunft. Gegen 16:30 h rollte ich in den Ort ein, spähte links und rechts nach einschlägigen Hinweisen auf die Existenz eines Hotels, Motels oder Resorts, fand aber allenfalls Wahlplakate und Reklametafeln für Möbel und Eigentumswohnungen.
An der einzigen Ampelkreuzung bog ich in eine Nebenstraße ein und suchte weiter. Bei einem kleinen Esslokal stieg ich vom Rad und fragte die Bedienung auf Englisch nach einem Hotel. Sie verstand kein Wort, rief aber einen alten Mann herbei, der meine Befürchtung bestätigte. In Phon gäbe es kein Hotel. Aber ich könne es bei einem gewissen “Apartment Na Son” versuchen. In einem äußerst gebrochenen Englisch gab er mir dann noch eine Art Wegbeschreibung, die mich freilich gründlich in die Irre führte. Obwohl das fragliche Guest House nur 500 m vom Lokal entfernt lag, musste ich fast 5 Kilometer Umweg fahren und drei weitere Personen befragen, bis ich das “Apartment Na Son” endlich gefunden hatte. Für 550 Bath (knapp 15 Euro) bekam ich dort letztendlich ein sauberes Zimmer, und der Tag war wieder einmal gerettet.

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